Bericht

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Geschichte und Entstehung: Im Jahre 2006 wurde Beno Kehl (er gehörte damals noch zum Orden der Schweizer Franziskaner (OFM) und führte das Mandat des Missionars ad Gentes) zu den Franziskanern nach Korsimoro in Burkina Faso (Westafrika) geschickt, um beim Aufbau eines Schreiner-Ausbildungszentrums mitzuhelfen. Vittorio Ferlin aus Zürich begleitete Beno Kehl bei seinem erneuten Afrikaeinsatz im Jahre2007 in Burkina Faso, und darauf entstand der Verein „Tautropfen“, der seit dem Jahr 2008 vom Kanton Thurgau als steuerbefreite Nonprofit-Organisation anerkannt ist. Dies bedeutet, dass jährlich durch die Finanzkontrolle des Kantons eine genaue Prüfung der Geschäftstätigkeit des Vereins vorgenommen wird, damit die geflossenen Geldmittel der Spender von deren Steuer abgesetzt werden können.

„Tautropfen“
Beno Kehl, Vittorio Ferlin und die Mitglieder des Vereins Tautropfen gehören zu der weltweit tätigen franziskanischen Bewegung.
Das „T“ oder „Tau“ ist das Symbol für diese Bewegung; diese Menschen, welche vom heiligen Franz von Assisi inspiriert sind, haben ein offenes Auge für die Not Anderer und sie unterstützen bedürftige Menschen spontan.
Vittorio Ferlin erwidert den Menschen in Afrika, die sich für die Unterstützung bedanken: “Sagt dem lieben Gott danke, denn von unserer Seite her ist es nur ein Tropfen auf den heissen Stein.“ Ein weiser Afrikaner, dem er dies sagte, lächelte und erwiderte: „Viele Tropfen ergeben auch eine Quelle, die Leben schenkt!“ und segnete dabei Beno Kehl und Vittorio Ferlin.

Aus den vielen Begegnungen, Gesprächen und Erfolgen heraus entstand der Verein „Tautropfen“. Er orientiert sich am Liebesgebot Jesu (Lk10.27) und an der Gerichtsrede Mt. 24ff: „Was du dem geringsten meiner Brüder getan hast, hast du mir getan.“ Der Schmetterling auf dem Logo des Vereins „Tautropfen“ ist das Symbol der Wandlung, die der Heilige Geist in allen bewirkt, die sich auf die gelebte Nächstenliebe einlassen.

In den Statuten des Vereins „Tautropfen“ wird folgendes festgehalten:
Der Zweck des Vereins besteht in der Beschaffung finanzieller Mittel für die Realisierung und Unterstützung ganzheitlicher, humanitärer Projekte in Drittweltländern. Ziel aller Projekte ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Dies geschieht mit der Vermittlung von Werten im Sozialen und in der Förderung von Bildung und Kultur.

 



Im Jahr 2009 ist in Korsimoro der Partnerverein „Tautropfen Afrika“ gegründet worden. Dieser Verein beschäftigt inzwischen vier vollamtliche MitarbeiterInnen; diese haben schon vor der offiziellen Gründung des Vereins längere Zeit das franziskanisch geprägte Weltbild kennen gelernt und dieses zu ihrem eigenen gemacht. Liebe, Respekt und professionelles Arbeiten gehören zur echten Hingabe an Gott. Seit der Gründung arbeiten alle Beteiligten in Korsimoro sehr gewissenhaft mit dem Verein „Tautropfen“ in der Schweiz zusammen. Die Organisation in Afrika wird regelmässig von uns und durch den Staat Burkina Faso kontrolliert und revidiert. Wir selber sind überrascht, wie streng der Staat Burkina Faso diese Institution prüft und wir freuen uns darüber, dass die Einheimischen MitarbeiterInnen sehr bemüht sind, sämtliche Arbeiten und Unternehmungen gewissenhaft auszuführen und zeitgerecht zu erledigen.

Inzwischen haben wir festgestellt, dass das Projekt des Mikro-Kredits zum Zugpferd des Vereins „Tautropfen Afrika“ geworden ist. Hier generiert sich ein selbständiger Geldkreislauf, der den Beteiligten ein Einkommen ermöglicht und damit die Hilfe zur Selbsthilfe beflügelt und somit auch den anderen Projekten der „Tautropfen Afrika“ Aufwind verleiht.

Seit der Verein „Tautropfen Afrika“ besteht, überweisen wir alle zwei bis drei Monate Geldmittel aus der Schweiz zur Realisierung der verschiedenen Projekte. In der Schweiz wird dafür ehrenamtlich gearbeitet, wogegen die MitarbeiterInnen der „Tautropfen Afrika“ existenzsichernde Löhne erhalten.


 

 

 

Jahresbericht der Präsidentin 2.Mai. 2010

Genügend Tau-Tropfen ergeben einen S-Tau-See

Da ich im Orden der Franziskaner den Status «Missionar ad gentes” habe, bin ich nicht einfach dazu bestimmt selber zu missionieren, oder Geld für die Missionierung zu beschaffen. Vielmehr sehe ich hinter diesem Auftrag eine sehr vielschichtige und herausfordernde Aufgabe. Einerseits geht es mir, wie jedem der von der lebendigen Liebe Jesu angerührt ist, darum, dass die frohe Botschaft vom Kommen des Gottesreiches in alle entlegenen Winkel der Erde getragen wird. Sei dies durch das Wecken des Bewusstseins der Versöhnung mit sich, dem Nächsten und Gott, sei es durch das Bewusstsein der Solidarität, die nicht vor der eigenen Haustür aufhört, sondern hin zu den Armen, Kranken, Behinderten, Gefangenen und Ausgegrenzten geht. Dazu gehört auch das Bewusstsein, dass dieses irdische Leben nicht das einzige ist. Wir dürfen auf das jenseitige Leben hoffen, das bei denen schon beginnt die sich jetzt im Glauben dem Kommen Gottes öffnen. Dies ist der geistliche Hintergrund, welcher auch die Kraft in sich trägt, die materiellen Grundlagen unseres Zusammenlebens auf dem Planeten neu zu ordnen. Menschen die etwas vom Bewusstsein des Gottesreiches empfangen haben, können nicht anders als dem Armen Christus, welcher uns in der Not der Welt entgegenkommt, in Barmherzigkeit begegnen. So habe ich vom Orden den Auftrag erhalten, zwischen unserer materiell reichen aber glaubensmässig ärmeren Ersten Welt und der materiell armen aber glaubensmässig reicheren Dritten Welt, eine kleine Brücke der Hoffnung aufzubauen. Wir tun das unter dem Zeichen des Taus, welches das Symbol der franziskanischen Bewegung schlecht hin ist. Wie man bei Ezechiel (vgl. EZ 9ff) nachlesen kann, hat der Engel des Herrn allen die ein mitfühlendes Herz haben, ein Tau (T) auf die Stirn geschrieben. Auch wenn unsere Unterstützung nur kleine Tau-Tropfen auf den heissen Steinen Afrikas sind, so bauen wir Franziskaner aus der Schweiz mit unserer Partnergemeinschaft in Korsimoro an einer Brücke der Hoffnung, auf welcher kleine Tautropfen wie Perlen hin und her fliessen. So beten die Christen von Korsimoro regelmässig für uns.

Ich hatte schon zweimal die Gelegenheit nach Burkina-Faso zu reisen, um konkret vor Ort die verschiedenen Projekte zu initiieren und zu begleiten. Die drei Franziskanerbrüder, welche in Korsimoro leben, sind uns letztlich Garanten dafür, dass die verschiedenen Investitionen nicht im Sand verlaufen, sondern weiterhin gepflegt werden.
Die Franziskaner begannen 2004 mit der Missionsstation in Korsimoro, wobei wir beim Aufbau der kleinen Schreinerei, die dort betrieben wird finanziell mithalfen. An Weihnachten 2005 hat Korsimoro elektrischen Strom erhalten. Br. Maurice bildet zur Zeit acht junge Afrikaner, die praktisch keine Schulbildung besitzen, zu Schreinern aus. Bei der Mithilfe der Realisierung dieser Ausbildungsstätte, kam mir mein erster Beruf des Schreiners sehr zu gute, so konnte ich die Lehrlinge in den verschiedensten Fertigkeiten unterrichten.

Ohne gross zu werben konnten wir grosszügige Spenden verbuchen, so dass wir dieses Jahr weitere Tau-Perlen nach Korsimoro bringen konnten. Es war uns möglich, einige Maschinen für die Schreinerei, wo inzwischen Stühle, Tische, Möbel und Gegenstände produziert werden, anzuschaffen. Auch eine Verteilstelle (Kornbank) für die Ärmsten konnten wir aufbauen. So kann von nun an in Zeiten von Nahrungsknappheit, eine gerechte und gut koordinierte Unterstützung gewährleistet werden.

Während meiner Zeit in Afrika wurde mir bewusst, wie wichtig es ist die Kirchen aus richtigen Steinen zu bauen. Hier gibt es ausser Hirse, Hirsebier, Staub, Ziegen, Hühner, einigen Schweinen, einer Schule und in grösseren Orten auch einer kleinen Apotheke kaum etwas. Für Kirchen aus richtigen Steinen, welche die Menschen hier gerne auch in Fronarbeit aufbauen würden, fehlt oft das Geld. So stellen sie die sogenannten Bausteine aus Sand her und decken die Kapellen mit einfachen Strohmatten ab. Steine oder Baumstämme dienen als Kirchenbänke. In der Regenzeit zerfällt dann vieles wieder, da der Zement in den Bausteinen aus Sand fehlt. Aus diesem Grund sehen die meisten Kapellen schlimmer aus, als der arme Bethlehemstall.
Jedes Jahr gibt es viele Menschen, die von den Naturreligionen zum Christentum konvertieren, oft platzen die wackeligen Kapellen beim Feiern der hl. Messe aus allen Nähten. So ist es eine echte Freude, dass wir weit draussen auf dem Lande eine Kirche mit richtigen Steinen, aufbauen konnten. Dies war uns nur durch die vielen Schweizerfranken, welche uns die Leute für Afrika zugesteckt haben, möglich.

Br. Vittorio (Präsident der franziskanischen Gassenarbeit), der dem dritten Orden angehört, begleitete mich dieses Jahr nach Korsimoro. Als wir schon in der Zeit vor unserer Abreise für Afrika gebetet haben, hatte er den Eindruck, dass wir auch die Behinderten aufsuchen und mit ihnen beten sollten. So haben wir einige hundert Kilo Reis und anderes für die Grundbedürfnisse gekauft. Wir besuchten blinde, lahme, debile, lepröse, verkrüppelte und aidskranke  Menschen und brachten ihnen einige Gaben mit und beteten zugleich für sie. Es war uns bewusst, dass wir hier gegen einige Regeln verstossen haben, denn man kennt hier weniger die individuelle Hilfe, als viel mehr die kollektive Unterstützung eines armen Clans. Zudem war es uns natürlich niemals möglich alle Armen und Bedürftigen zu besuchen. Es stellte sich auch die Frage, was nach den zwei Monaten sein würde, wenn wir nicht mehr hier sind. Wie sollte es dann weitergehen? Unsere Absicht ist es, dass im Lagerhaus für die Hungerszeit, auch eine Ecke für alle diejenigen, die eine Behinderung haben oder an AIDS erkrankt sind vorhanden sein soll. Auf der Strasse sieht man kaum Kranke, denn sie bleiben in ihren Häuschen. Das Thema AIDS ist ein noch grösseres Tabu als bei uns. Vor Ort hat es auch jemand der von der Diözese beauftragt ist, und um diese Schicksale weiss. Er selber bekommt für diese Arbeit einige wenige CFA, die es ihm nicht einmal ermöglichen sein Häuschen in Ordnung zu halten. Es war uns darum ein Anliegen, ihn zu unterstützen und  kauften ihm schliesslich das nötige Baumaterial. Auch tauschten wir darüber aus, wie wir in der Schweiz mit diesen Menschen sowie mit dem Thema AIDS und dem Tod umzugehen versuchen. Ich erklärte ihm, dass ich diese Themen möglichst direkt anspreche und mit den Menschen auch konkret dafür bete. Für ihn war es neu, das man das grosse Tabuthema Tod so direkt ansprechen kann. Er staunte auch dass man mit allen Menschen, also auch mit den Nichtchristen, beten kann wenn sie es wollen, indem wir ihnen die Hände auflegten, ein freies Gebet oder ein Vater unser sprechen und sie dann segneten. Wer weiss, vielleicht kann er in Zukunft nicht nur jemand sein der die Isolation der kranken Menschen gelegentlich durchbricht, sondern auch ab und zu einige lebenswichtige Geschenke mitbringen kann.

Wir besuchten auch die Schule, denn wir wollen mit den Schülern in der Schweiz ebenfalls irgendwie an der Tau-Tropfen Brücke bauen. So war ich einen Tag lang mit der Kamera unterwegs und probierte den Tagesablauf einer kleinen Afrikanerin vom Morgen bis am Abend festzuhalten. Die fast 80 Schüler in ihrer Klasse jauchzten vor Lachen und Freude, als sie den Film sahen. Es war nicht zu übersehen, dass die Schule in einem desolaten Zustand ist. Der Schulbrunnen ist seit 3 Jahren defekt, die WC-Türen wurden vor längerer Zeit gestohlen und als ich ihnen die Farbstifte aus der Schweiz schenkte, welche mir eine Lehrerin mitgegeben hatte, fehlte es ihnen sogar an Zeichnungspapier... Naja der Brunnen und die Toiletten funktionieren schliesslich wieder und dies dank der Tau-Tropfen, die wir für Afrika mitbekommen haben.
Das schönste an diesen Afrikaeinsätzen ist, dass die Arbeit und die Begegnungen, mit diesen armen und doch meist recht zufrieden Menschen, unsere Herzen verändern und wachsen lässt.

So sind wir dankbar, für jeden der einige Tau-Tropfen spendet.
Schau bei den Tau-Projekten!

Pace e Bene

Euer Br. Benno-Maria Kehl, OFM, Vittorio Ferlin und Seraina Traber

 

Ps. Am letzen Tag traf ich noch den „Grandchef“ oder den König, im Gespräch mit ihm wurde deutlich, dass er wünscht, dass wir kleine Stauseen bauen könnten. Er erklärte, dass dies der Region sehr viel bringen würde, denn in der Regenzeit fällt viel Wasser, aber es fliesst sofort ab. Die zwei bis drei Meter hohen Staumauern würden das Wasser zu kleinen Seen stauen und dann könnte man einige Monate Ackerbau betreiben. Am Abend kam ein Muslim zu mir und schenkte uns einen Ziegenbock, da er gehört habe, dass wir uns für Stauseen einsetzen würden. Während ich die Ziege entgegennahm viel eine riesige Sternschnuppe vom Himmel, ob dies nicht ein Zeichen war?  Im Wort Stausee steckt das Wort S-Tau-See so könnten wir die vielen vielen Tau-Tropfen gut auffangen im Tau-See