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Feissal Fofana, Weinfelden (Entsandter „kahnu“ Burkina Faso)

Seit dem 1. Juli 2012 begleitet Feissal Fofana, aus Weinfelden TG, als Entsandter die Projekte „Wasserrecht“ und „Tautropfen“ vor Ort in Burkina Faso (Ouagadougou/Baskoudré). Vor rund 10 Jahren gelangte Feissal Fofana als anerkannter politischer Flüchtling aus Togo in die Schweiz und ist nun für unsere Projekte in Westafrika tätig. In einem Telefoninterview haben wir Feissal Fofana gebeten über seine Tätigkeit in Burkina Faso zu berichten:

Feissal, woran arbeitest du zur Zeit?
„Ich bin daran, mit den Verantwortlichen der Bioagrarschule aus Ouagadougou (A.M.P.O) die künftigen Schüler der Region Baskoudré auszuwählen. Es bedarf langer Gespräche mit den lokalen Partnern, bis wir die Klassen zusammengestellt haben. Wir müssen auch darauf achten, dass wir bestehende Strukturen nicht durcheinanderbringen und eine Ungleichheit schaffen. Ein Schüler, der diese Ausbildung absolvieren kann, gilt als privilegiert.“
Was wird den Schülern beigebracht?
„Es wird vor allem vermittelt, wie der bestehende Boden effizienter genutzt werden kann. Hier wird keine motorisierte Landwirtschaft betrieben, es geschieht alles von Handarbeit. Auf natürliche Düngung und auf die Auswahl besonders resistenter Feldfrüchte wird in der Ausbildung besonderen Wert gelegt. Gerade in diesen Bereichen liegt noch grosses Potential für die Bauern aus der Region Baskoudré. Ein weiterer Teil der Ausbildung besteht in der Vermittlung von Wissen für die Aufzucht von Vieh, Ziegen und Geflügel.“
Welches Wissen wird dem Projekt „Regenrückhaltebecken“ zugutekommen?
„Wir werden sämtliche Setzlinge für den Baumbestand der Wiederaufforstung, die Schutzhecke und die Neubepflanzung mit Fruchtbäumen (rund 40‘000 Setzlinge) im A.M.P.O realisieren. D.h., die Schüler werden während des Schulbetriebes ihren künftigen Baumbestand für Baskoudré betreuen. Nach einem resp. zwei Jahren können die Schüler als ausgebildete Neubauern dafür sorgen, dass die Neupflanzungen richtig gepflegt und grossgezogen werden. Die Wasserversorgung der Pflanzen ist nun ja durch die Fertigstellung des Regenrückhaltbeckens gesichert.“
Wie ist die Zusammenarbeit mit den staatlichen Institutionen?
„Man muss bedenken, dass die erfolgreiche Realisierung des Regenrückhaltebeckens in Baskoudré eine in Burkina Faso sehr beachtete und geschätzte Arbeit ist. Ich habe gehört, dass sogar der Präsident des Landes über unser Projekt informiert wurde. Zudem wird die Arbeit, welche durch Beno Kehl, Roger Gartenmann und Christine Schneider vor Ort getätigt wurde, von allen Seiten sehr geschätzt. Diese Vorarbeit erleichtert natürlich die Zusammenarbeit mit allen Institutionen. Trotzdem muss immer wieder überprüft werden, ob die richtigen Instanzen kontaktiert wurden; es gibt hier unheimlich viele staatliche Stellen, die berücksichtigt werden müssen – es ist alles sehr gewöhnungsbedürftig, zeitraubend und ziemlich komplex.“
Wie sieht dein „Privatleben“ in Korsimoro aus?
„Jetzt bin ich vor allem damit beschäftigt, meine Unterkunft (Schlafgelegenheit und Büro) in Korsimoro einzurichten. Es hat sich als schwieriger herausgestellt, als ich dachte. Ich bin aber froh, dass mein Haus elektrisch erschlossen ist – das ermöglicht mir den Betrieb der verschiedenen Bürogeräte, die ich für meine Arbeit benötige. Wasser für den Haushalt muss ich noch morgens mit Kanistern aus dem nahen Brunnen holen. Ich werde mir aber einen Wassertank beschaffen, das erleichtert mir meinen Arbeitsalltag sehr. Ein „Privatleben“ mit sozialen Kontakten existiert noch nicht; ich muss mich zuerst noch in der Region einleben.“
Was vermisst du am meisten?
„Weihnachtsbeleuchtung und Raclette (lacht!) – nun, ich bin so intensiv mit den Projekten und den vielen Fragen, die daraus entstehen, beschäftigt, dass ich mir dazu noch keine grossen Überlegungen gemacht habe. Was mir sicher fehlt, ist die saubere Schweiz und das geordnete Leben, welches dort besteht. Aber mein Ziel ist es, die nächsten zwei Jahre, für die ich mich bei „kahnu“ verpflichtet habe, hier vor Ort ein Stück „Schweiz“ vermitteln zu können.“
Möchtest Du uns noch etwas mitteilen? „Ich möchte mich ganz herzlich im Namen der Bevölkerung von Baskoudré bei allen SpenderInnen für ihre Solidarität bedanken. Zudem wünsche ich allen in der Schweiz eine besinnliche Festzeit.“

Lieber Feissal, wir danken Dir für das Gespräch.
(GARO)

 

Geschichte und Entstehung: Im Jahre 2006 wurde Beno Kehl (er gehörte damals noch zum Orden der Schweizer Franziskaner (OFM) und führte das Mandat des Missionars ad Gentes) zu den Franziskanern nach Korsimoro in Burkina Faso (Westafrika) geschickt, um beim Aufbau eines Schreiner-Ausbildungszentrums mitzuhelfen. Vittorio Ferlin aus Zürich begleitete Beno Kehl bei seinem erneuten Afrikaeinsatz im Jahre2007 in Burkina Faso, und darauf entstand der Verein „Tautropfen“, der seit dem Jahr 2008 vom Kanton Thurgau als steuerbefreite Nonprofit-Organisation anerkannt ist. Dies bedeutet, dass jährlich durch die Finanzkontrolle des Kantons eine genaue Prüfung der Geschäftstätigkeit des Vereins vorgenommen wird, damit die geflossenen Geldmittel der Spender von deren Steuer abgesetzt werden können.

„Tautropfen“
Beno Kehl, Vittorio Ferlin und die Mitglieder des Vereins Tautropfen gehören zu der weltweit tätigen franziskanischen Bewegung.
Das „T“ oder „Tau“ ist das Symbol für diese Bewegung; diese Menschen, welche vom heiligen Franz von Assisi inspiriert sind, haben ein offenes Auge für die Not Anderer und sie unterstützen bedürftige Menschen spontan.
Vittorio Ferlin erwidert den Menschen in Afrika, die sich für die Unterstützung bedanken: “Sagt dem lieben Gott danke, denn von unserer Seite her ist es nur ein Tropfen auf den heissen Stein.“ Ein weiser Afrikaner, dem er dies sagte, lächelte und erwiderte: „Viele Tropfen ergeben auch eine Quelle, die Leben schenkt!“ und segnete dabei Beno Kehl und Vittorio Ferlin.

Aus den vielen Begegnungen, Gesprächen und Erfolgen heraus entstand der Verein „Tautropfen“. Er orientiert sich am Liebesgebot Jesu (Lk10.27) und an der Gerichtsrede Mt. 24ff: „Was du dem geringsten meiner Brüder getan hast, hast du mir getan.“ Der Schmetterling auf dem Logo des Vereins „Tautropfen“ ist das Symbol der Wandlung, die der Heilige Geist in allen bewirkt, die sich auf die gelebte Nächstenliebe einlassen.

In den Statuten des Vereins „Tautropfen“ wird folgendes festgehalten:
Der Zweck des Vereins besteht in der Beschaffung finanzieller Mittel für die Realisierung und Unterstützung ganzheitlicher, humanitärer Projekte in Drittweltländern. Ziel aller Projekte ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Dies geschieht mit der Vermittlung von Werten im Sozialen und in der Förderung von Bildung und Kultur.

 



Im Jahr 2009 ist in Korsimoro der Partnerverein „Tautropfen Afrika“ gegründet worden. Dieser Verein beschäftigt inzwischen vier vollamtliche MitarbeiterInnen; diese haben schon vor der offiziellen Gründung des Vereins längere Zeit das franziskanisch geprägte Weltbild kennen gelernt und dieses zu ihrem eigenen gemacht. Liebe, Respekt und professionelles Arbeiten gehören zur echten Hingabe an Gott. Seit der Gründung arbeiten alle Beteiligten in Korsimoro sehr gewissenhaft mit dem Verein „Tautropfen“ in der Schweiz zusammen. Die Organisation in Afrika wird regelmässig von uns und durch den Staat Burkina Faso kontrolliert und revidiert. Wir selber sind überrascht, wie streng der Staat Burkina Faso diese Institution prüft und wir freuen uns darüber, dass die Einheimischen MitarbeiterInnen sehr bemüht sind, sämtliche Arbeiten und Unternehmungen gewissenhaft auszuführen und zeitgerecht zu erledigen.

Inzwischen haben wir festgestellt, dass das Projekt des Mikro-Kredits zum Zugpferd des Vereins „Tautropfen Afrika“ geworden ist. Hier generiert sich ein selbständiger Geldkreislauf, der den Beteiligten ein Einkommen ermöglicht und damit die Hilfe zur Selbsthilfe beflügelt und somit auch den anderen Projekten der „Tautropfen Afrika“ Aufwind verleiht.

Seit der Verein „Tautropfen Afrika“ besteht, überweisen wir alle zwei bis drei Monate Geldmittel aus der Schweiz zur Realisierung der verschiedenen Projekte. In der Schweiz wird dafür ehrenamtlich gearbeitet, wogegen die MitarbeiterInnen der „Tautropfen Afrika“ existenzsichernde Löhne erhalten.