
Nach dem ich bei Euch in der Pfarrei die verschiedenen „Tautropfen-Projekte“ vorstellen durfte, ging es bald wieder zu unserer Partner-Franziskanergemeinschaft nach Korsimoro in Burkina–Faso. Zum einen freuen sich die Brüder, wenn wir ins abgelegene Savannenkloster kommen, zum anderen gibt es viele Projekte, die kontrolliert, korrigiert oder vorangetrieben werden sollten und müssen. Die verschiedensten Kleinprojekte reichen von Schulgeld, Behindertenhilfe, Brunnenbau, Hungerhilfe, Unterstützung von Kinderheimen, Kleinkredite, Sport, Kirchenbau, Unterstützung der Franziskaner vor Ort und vielen anderen Hilfeleistungen.
Nach der doch strapaziösen Reise kamen wir kurz vor Weihnachten in die ca. 30-35 Grad warme Savanne und ich sang unter der lauwarmen Dusche: „leise rieselt der Schnee“; trotzdem aber kam nicht so wirklich die heimelige Weihnachtsstimmung auf.
Schon am ersten Tag fuhren wir zum Grand Chef oder eben zum „König“, um ihn zu begrüssen. Er freute sich riesig, besonders als er hörte, dass wir für eine Vorprojektierung einer Barrage gekommen sind. Er lachte und meinte, er hätte schon so oft an den Staat, an verschiedene Organisationen Briefe geschrieben mit der Bitte, dass man hier in der Region unbedingt ein Wasserrückhaltebecken erstellen sollte, da der alte Damm beschädigt ist und der alte See schon sehr versandet ist.
Wir haben nur noch für wenige Monate im Jahr Wasser, d.h. Viehzucht ist kaum möglich und ebenso das Arbeiten in der Landwirtschaft wird praktisch verunmöglicht. Zudem ziehen immer mehr junge Leute von den Dörfern in die Städte und suchen dort ihr Glück, da in ländlichen Gebieten keine Arbeit gefunden werden kann. Leider kommen sehr viele noch unglücklicher und kranker nach Hause oder sie verschwinden einfach und niemand weiss, wo sie sind.
Sofort begann der Grand-Chef mit einer Kreide einen Lageplan von der Region aufzuzeichnen; bald schon waren wir darauf mit den Technikern und Ingenieuren vor Ort und begannen mit der Machbarkeitsstudie.
Während das Planungsbüro von Celéstin Naze an den Berechnungen arbeitete, gingen wir zu allen möglichen Amtsstellen, um abzuklären auf was bei der Realisierung des Projektes geachtet werden muss. Es war spannend, so etwas über die Strukturen des Landes zu erfahren.
Am Abend vor dem Rückflug bekam ich dann auch den ersten Plan und die Machbarkeitsstudie, welche sehr positiv aussieht. Das Projekt ist aber um einiges teurer und grösser geworden, als der König es sich gedacht hatte.
Jedenfalls zerbrach ich mir beim Rückflug den Kopf, wie wir soviel Geld innert drei Jahren für ein solches Projekt auftreiben können. Ich war schon etwas verunsichert, ob ich da als kleiner Franziskaner mich nicht etwas übernehmen würde. Ich erinnerte mich daran, wie ich mit dem König beim Essen war, wie dieser mir von seinem Wunsch für einen Barrage sprach, wie ich lachte und sagte: „Ich werde mal schauen was man da machen kann!“.
Wie am auch am selben Abend jemand vom Dorf kam, der das Gespräch mitverfolgte und mich mit einem Geissbock beschenkte und dieser sich bereits im voraus dafür bedankte, dass ich den Barrage in Baskoudré bauen würde.
Als ich dann den Geissbock als Dank für die Gastfreundschaft den Brüdern weiterverschenkte und sagte, den hätte ich bekommen da ich in Baskoudré einen Stausee baue, lachten alle Mitbrüder, da sie wussten, dass dieses Projekt schon etwas über unsere Ressourcen hinaus gehe; dabei schauten wir Richtung Baskoudré und sahen in den klaren Sternenhimmel. Im selben Moment fiel eine wunderschöne Sternschnuppe vom Himmel. Dieser Moment berührte mich auf eigenartige Weise.
Mir ist es, als ob Gott selber es wünscht, dass ich mich für die Verwirklichung dieses Projektes einsetze. Diese Erinnerungen gaben mir Mut und Hoffnung; aber 1,5-2 Millionen Schweizerfranken für ein einziges Projekt?
Mit diesen Gedanken gelangte ich zu Hause an und lief die letzten 200m über den langen Holzsteg zu unserem Kloster und überlegte mir, wie ich das den Brüdern erklären und beibringen soll.
Als ich in der Mitte der Holzbrücke war, sah ich unmittelbar unter der Brücke einen schönen grossen und kräftigen Biber mit einem Stück Holz zwischen den Zähnen. Mir schien als ob der Biber zu mir sagte: „Willkommen Bruder, baust du auch einen Stausee, das klappt schon, man muss nur Stück für Stück zusammenfügen!“ Freudig rief ich: „He, Bruder Biber, am liebsten würde ich dich Fotografieren, aber ich hab alles in Afrika verschenkt.“
Die Begegnung mit dem Biber prägte sich so tief in mein Herz, dass ich jetzt mit doppelter und dreifacher Motivation an dem Projekt arbeite.
Ebenso sind die geologischen Studien, die positiv aussehen, inzwischen abgeschlossen und wir haben die Sozialstudie zum Projekt in Auftrag gegeben. Die Geldsuche geht jetzt erst richtig los, nachdem wir jetzt sicher sind, dass das Projekt theoretisch realisiert werden kann.
Der Missionsverein der Schweizerfranziskaner hat mit den CHF 400‘000.00 einen wesentlichen Grundstein zur Realisierung gelegt und zudem haben zahlreiche weitere Spender dafür gesorgt, dass wir bald die erste halbe Million Franken gesammelt haben; aber eben, es braucht noch Einiges.
Jedenfalls ganz lieben Dank für jeden Franken! Zudem möchten wir auch die anderen Projekte mit dem Schwerpunkt: Bildung und Hilfe zur Selbsthilfe weiterführen. www.tautropfen.ofm.li
Und jetzt gehen wir vom Freundeskreis Tautropfen in den Juliwochen nach Baskoudré, um dort eine Genossenschaft zu gründen, welche den Stausee in Zukunft betreiben soll.
Pace e Bene - Roger, Seraina, Vittorio und Br.Benno vom Freundeskreis der Tautropfen.
Pace e bene Dein und Euer Br.Benno-Maria Kehl
Insel Werd /CH 8264 Eschenz
076 388 20 02
www.fraga.ch (Gassenarbeit)